Samstag, 29. April 2017

Unfallträchtiges Wochenende

Zusätzlich zu den vergangenen Blogeinträgen und den aktuellen Lawinenlageberichten hier noch schnell einige Zusatzinfos zur aktuellen Situation. Fest steht, dass die Kombination aus zum Teil störanfälliger Schneedecke, gutem Pulverschnee, welcher die Schwachschichten überlagert sowie (zunehmend) sonnigem Wetter unfallträchtig ist.

Zum Teil beachtliche Neuschneesummen während der vergangenen Tage

Eine der Spitzenreiter: Station Gallreideschrofen im hinteren Gschnitztal

Spontanes Schneebrett im hochalpinen, besonnten Gelände, das am 28.04. abgegangen ist. Südliche Stubaier Alpen (vermutlich auf der Schwachschicht aufgrund von gm.4) (Foto: 29.04.2017)

Sehr große Belastung führte (in einem bisher besonders schneearmen Gebiet) auf etwa 2900m im extrem steilen schattigen Gelände zum Durchbrechen bis zur bodennahen Schwachschicht. Südliche Stubaier Alpen (Foto: 29.04.2017)

Donnerstag, 27. April 2017

Der Winter gibt sich noch nicht geschlagen

Der Winter gibt Ende April nochmals ein deutliches Lebenszeichen von sich. Am Alpenhauptkamm und in Osttirol begann es am 26.04., ansonsten am 27.04. bis auf etwa 2000m, gebietsweise 2200m, zu regnen, darüber zu schneien. Anfangs wehte noch starker Wind, der nun meist schwächer geworden ist.

Spitzenreiter des Niederschlags sind derzeit die unmittelbar an den Alpenhauptkamm angrenzenden Bereiche in den Südlichen Ötztaler und Stubaier Alpen, den Zillertaler Alpen, den Osttiroler Tauern sowie das südliche Osttirol.

Bedeutsam sind mögliche Schwachschichten innerhalb der Schneedecke, insbesondere die in den letzten Blogeinträgen erwähnten, oberflächennahen Schwachschichten, also im Nordsektor zwischen etwa 2400m und 2900m, in den Expositionen O über S bis W oberhalb etwa 3200m sowie kammnah, schattseitig beginnend von etwa 2600m aufwärts Oberflächenreif (Nigg-Effekt).

Interessantes Bild, das die Verteilung der Schwachschicht verdeutlicht. Erste Lawine wurde westseitig auf knapp 3200m ausgelöst. sekundär löste sich dann schattseitig die nächste Lawine. Schnapfenspitze, (Foto: 21.04.2017)

Lockerer Pulverschnee als mögliche Schwachschicht kommt nur in großen Höhen bei entsprechender Überlagerung durch frischen Triebschnee in Frage.

Ein Durchbrechen in bodennahe Schwachschichten hingegen erscheint derzeit eher unwahrscheinlich, kann jedoch in den besonders neuschneereichen Gebieten im sehr steilen Nordsektor oberhalb etwa 2500m nicht ausgeschlossen werden. Betroffen könnte davon insbesondere auch die bisher eher schneearme Region Zentralosttirol sein.

Aktueller Niederschlag am 27.04.2017 in der Früh: meist waren es zwischen 10 und 20mm, Spitzenreiter Timmelsjoch!

In der Höhe bereits gut 50cm Neuschnee in Bereichen der Osttiroler Tauern

Zwischen 27.04. und 29.04. früh soll noch einiges an Schnee dazu kommen.

Am Wochenende bessert sich das Wetter. Zurückhaltung speziell in oben genannten Bereichen (inklusive frischem Triebschnee in großen Höhen) erscheint dann angebracht. Auch werden mit der Wetterbesserung vermehrt Lockerschneelawinen sowie Gleitschneerutsche zu beobachten sein.

Dienstag, 25. April 2017

Schwachschicht aufgrund des Gefahrenmusters kalt auf warm auch im Südsektor zumindest oberhalb etwa 3200m

Zusätzlich zum letzten Blogeintrag möchten wir Wintersportler darüber informieren, dass die von uns beobachtete Schwachschicht nicht nur im Nordsektor, sondern auch in besonnten Hängen im hochalpinen Gelände beobachtet wurde (Lawinenauslösungen oberhalb 3200m im Bereich der Bliggspitze sowie des Glockturms in der Region der Südlichen Ötztaler und Stubaier Alpen).

Wer sich nicht sicher ist, sollte sehr steile Hänge im Nordsektor zwischen etwa 2400m und 2900m sowie besonntes Gelände oberhalb etwa 3200m meiden. Im Zweifel und mit entsprechender Erfahrung hilft immer ein rascher Blick in die Schneedecke.

Lawinenauslösung unterhalb des Glockturms im besonnten Gelände (Foto: 24.04.2017)


Montag, 24. April 2017

Gefahrenmuster kalt auf warm führt zu Problemen im Nordsektor in einem Höhenbereich zwischen etwa 2500m und 2900m – einige Lawinenunfälle, einer davon tödlich

Das Gefahrenmuster kalt auf warm (gm.4) führt nach Schneefällen an der Grenzfläche zu unterschiedlich temperierten Schneeflächen zu einer verzögerten Bildung einer Schwachschicht.

Bis zum 15.04. war es frühlingshaft warm und die Schneeoberfläche häufig feucht bzw. nass. Danach folgte Schneefall samt einem Temperatursturz. Das heißt die Voraussetzungen für gm.4 waren gegeben. Bis Donnerstag, den 21.04. konnten wir allerdings nur eine geringe Entwicklung dieser Schwachschicht feststellen. Die Verbindung zwischen dem Neuschnee und der vormals feuchten Schneedecke war bei unseren Schneedeckenuntersuchungen gut.

Lawinenereignisse während des Wochenendes, Meldungen über Setzungsgeräusche (21.04. schattseitig zwischen etwa 2600m und 2800m in den Südlichen Stubaier und auch Ötztaler Alpen) sowie weitere Schneedeckenuntersuchungen zeigen nun, dass sich in einem eng begrenzten Höhen- und Expositionsbereich die Schwachschicht weiter entwickelt hat und inzwischen ein Problem darstellt. Es handelt sich unserem derzeitigen Wissenstand um den Nordsektor zwischen etwa 2500m und 2900m. Im Bereich von bis zu zwei dünnen Schmelzkrusten befinden sich dort mitunter recht ausgeprägte Schichten aus kantigen Kristallen. Stabilitätstests zeigen, dass diese Schichten leicht zu stören sind und Brüche sich dort gut ausbreiten können.

Tödlicher Lawinenunfall mit drei Beteiligten unterhalb des Kegelkopfs in der Samnaungruppe vom 22.04.2017. Die Lawine wurde in der Abfahrt ausgelöst. Anrissbereich 2700m NO.

Anrissbereich der Lawine Kegelkopf (Foto: 23.04.2017)

Schneeprofil im Anrissbereich der Lawine Kegelkopf. Unterhalb des seit 15.04. gefallenen Neuschnees diente eine kantige Schicht als Schwachschicht für das Schneebrett. Schneeprofile im Detail wie gewohnt unter folgendem Link.

Lawinenabgang Oberstkogel. 2600m NO

Lawinenabgang Schindlerrinne im Arlberggebiet. Ungewiss, ob da noch übewehter Pulverschnee die Schwachschicht darstellte oder bereits doch auch kantige Kristalle. Lawinenauslösung am 20.04. mit gutem Ausgang. Person konnte sich in der Sturzbahn an der Gleitfläche festkrallen. 2540m, Nord

Hier noch ein Überblick über weitere, uns bekannt gewordene Lawinenereignisse während der vergangenen Tage:

20.04. Stubaier Gletscher, 2580m, ONO
21.04. Rietzer Grieskogel, 2680, N – Kalkkögel, 2350m (ausgebessert am 25.04.: Erstinfo war 2450m) N – Schnapfenspitze, 2880m, N – Hochkar, NW, 2530m;
22.04 Gaiskogel, Hinterhirscheben 2700m, NO
22.04 Mittagskogel, 2900m, N – Nasse Wand, 2860m, NW

Mal etwas Anderes als Lawinen: Geforene Seifenblase, fotografiert in Boden am 21.04.2017

Donnerstag, 20. April 2017

In großen Höhen noch guter Pulverschnee – Vorsicht vor kammnahem Triebschnee – zunehmend wieder Frühjahrsverhältnisse

Die Prognosen der ZAMG-Wetterdienststelle haben perfekt gepasst. In weiten Teilen Nordtirols sowie im nördlichen Osttirol ist einiges an Schnee zusammengekommen.


Spitzenreiter waren die Arlbergregion, das Außerfern sowie die Nordalpen.

Station Ulmerhütte im Arlberggebiet zählte zu einer der schneereichsten Stationen. Man erkennt zudem die winterlichen Temperaturen sowie den Windeinfluss während des Schneefalls mit abnehmender Tendenz

Trotz der zum Teil tiefwinterlichen Temperaturen merkt man das Frühjahr. Durch die Strahlung konnte sich der kürzlich gebildete Triebschnee meist bereits recht gut verbinden. Vorsicht ist noch in größeren Höhen im kammnahen, sehr steilen Gelände geboten. Der für morgen, den 21.04. prognostizierten Temperaturanstieg kann kurzfristig zu einer erhöhten Auslösewahrscheinlichkeit von Triebschneepaketen führen, dies vermutlich nur über 3000m.

Ansonsten findet man in großen Höhen noch tollen Pulverschnee.

Unterwegs im Skitourengebiet der Franz-Senn-Hütte. Traumhafter Pulverschnee. (Foto: 20.04.2017)

Kammnaher Triebschnee (Foto: 20.04.2017)

Wohl vermehrt ein Thema während der kommenden Tage. Feuchte bzw. nasse Lockerschneelawinen

In den schneereichen Gebieten kurzfristig ein Thema auf vormals bereits aperen Wiesenhängen: Gleitschneerutsche bzw. kleine Gleitschneelawinen (Foto: 20.04.2017)

Einer der derzeit schneeärmsten Regionen in Tirol ist das südliche Osttirol (Foto: 20.04.2017)